Who cares? Stimmen aus dem Gutleutviertel.
Eine Schreib- und Sprechwerkstatt
Im Frühling 2026 haben wir den Workshop Who Cares – Stimmen aus dem Gutleutviertel entwickelt. Gemeinsam mit dem Stadtteilbüro des Gutleutviertels und der Farbenfabrik Dr. Carl Milchsack e.V. luden wir FLINTA*-Personen aus dem Stadtteil ein, die Erfahrung mit Care-Arbeit (englisch für Sorgearbeit oder Fürsorgearbeit) haben– als pflegende Angehörige, in sozialen, pädagogischen, erzieherischen oder pflegerischen Berufen oder als Menschen, die selbst Unterstützung benötigen. FLINTA*-Personen ist ein Kurzwort und steht für: Frauen, Lesben, Intergeschlechtliche, Nicht-binäre, Trans und Agender Personen. Das sind Personen, welche durch ihre geschlechtliche Identität bzw. Lebensweise in unserer Gesellschaft Nachteile und vielfältige Formen von Diskriminierung erfahren.
Zentrales Anliegen des mehrtägig konzipierten Workshops war, einen Raum zu schaffen, in dem individuelle Erfahrungen mit Care-Arbeit sichtbar, beschreibbar und hörbar werden. Im Zeitraum von einer Woche wollten wir in einer Schreib- und Sprachwerkstatt gemeinsam experimentieren, schreiben, zeichnen, collagieren und Gespräche aufnehmen.
Uns war bewusst, dass wir Personen adressierten, welche möglicherweise einen vollen Kalender und Kopf haben. Deshalb sollten auch die Workshopeinheiten flexibel anpassbar sein, zum Beispiel mit gemeinsam abgestimmten Zeitfenstern oder an vereinbarten Orten im Gutleutviertel. Die Woche rückte näher. Gut vorbereitet fühlten wir uns. Trotzdem verlief das Projekt anders als erwartet. Zu dem Workshopkonzept an sich gab es gute Resonanz – gleichzeitig blieben die verbindlichen Anmeldungen erstmal aus. Neben den besonderen Bedingungen dieses Sommers – dem Beginn der Sommerferien und einer anhaltenden, nie zuvor erlebten Hitzewelle über Frankfurt – wurde eine zentrale Erfahrung sichtbar: Die individuellen Lebensrealitäten von Menschen, die Care-Arbeit leisten/leisteten oder selbst auf Pflege angewiesen sind, prägen auch die Möglichkeiten, Zeit und Ressourcen für die Teilnahme an einem solchen Projekt aufzubringen. Auch ein (ergebnis-)offenes und flexibel angelegtes Angebot ist deshalb nicht automatisch für alle zugänglich.
Nach und nach fanden wir Zeitfenster und Möglichkeiten, dennoch zusammenzukommen und gemeinsam zu gestalten. Die Collagen, Texte, Textfragmente, Bilder, Skizzen und Fotos, die in diesem Heft zusammengetragen sind, erzählen von ihren Erfahrungen mit Care-Arbeit, Selbstfürsorge, Wünsche, Würde, Sterben, Trauer, (Selbst-)Respekt und damit verbundenen Gefühlen.
Die Vernissage fand am 04. September im Studio294 in der Milchsackfabrik statt. Hier für alle Interessierten, die nicht da sein konnten, die digitalen Arbeiten zur Nachschau.
Lisa Peil, Schreib- und Zeichenwerkstatt
Jana Peil, Sprachwerkstatt
Juni-September 2026
Frankfurt am Main