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Sopo Kashakashvili
Die in Georgien geborene Sopo Kashakashvili ist eine interdisziplinär arbeitende Künstlerin, Kulturvermittlerin und Dozentin. Ihre künstlerische Praxis umfasst Performance, Video, Musik, Skulptur, Zeichnung/Assemblagen, Textarbeiten sowie Bühnenbildgestaltung. Einen besonderen Schwerpunkt bildet die Entwicklung immersiver Installationen, in denen Textilien oftmals eine zentrale Rolle spielen.
In ihren Arbeiten setzt sich Kashakashvili kritisch mit den Konzepten von Identität und Migration auseinander und hinterfragt die Funktions- und Dysfunktionsweisen gesellschaftlicher Strukturen. Sie untersucht verschiedene Formen sozialen Zusammenlebens, Ordnungsmodelle und deren Einfluss auf den menschlichen Körper. Ihre Projekte sind häufig ortsspezifisch konzipiert und berücksichtigen die historischen Gegebenheiten der jeweiligen Räume, wobei sie Archivmaterial—insbesondere in Form von Audioaufnahmen—sowie dokumentarische Methoden wie persönliche Interviews und Gespräche einbezieht. Ein prägendes Merkmal ihrer visuellen Sprache ist der wiederkehrende Einsatz unterschiedlicher Rottöne.
Sopo Kashakashvili absolvierte ihr Studium an der Städelschule in Frankfurt am Main, wo sie unter Judith Hopf sowie den Gastprofessorinnen Flaka Haliti studierte.
Künstlerische Stellungnahme zur Ausstellung in der Alten Schmelze:
In der Ausstellung I HAVE NO WORDS widmet sich Sopo Kashakashvili den Spannungsverhältnissen zwischen Individualität und Kollektivität in der zeitgenössischen Gesellschaft. Sie untersucht deren Potenziale ebenso wie deren inhärente Begrenzungen. Mittels immersiver Installationen, Klangarbeiten und Archivmaterialien erforscht sie Prozesse des Zusammenlebens sowie die Funktion von Klang bei der Herausbildung kollektiver Erinnerungsräume.
Jeder Raum der Alten Schmelze wird als eine sinnlich-körperliche Erfahrungslandschaft gestaltet, in der sich die Besucher:innen mit den sozio-politischen Strukturen auseinandersetzen, die unsere Gegenwart prägen.
Im Mittelpunkt der Untersuchung stehen Dynamiken von Macht und Gruppenzugehörigkeit sowie Mechanismen gesellschaftlicher Narrativbildung. Kashakashvili zieht Parallelen zu staatlichen Kontrollinstrumenten—etwa Polizeigewalt und straforientierter Regierungsführung—, die über Angst und Unterdrückung operieren. Dabei stellt sie zentrale Fragen:
Wie lässt sich Einheit im komplexen Geflecht von Vergangenheit und Gegenwart denken?
Wie können individuelle Subjekte ein Kollektiv formen, wenn Differenzen gezielt manipuliert werden?
Ist ein Gefühl von Zusammengehörigkeit möglich, obwohl unterschiedliche gesellschaftliche Ausgangspositionen bestehen?
Die Ausstellung reflektiert zudem Kashakashvilis eigene Erfahrung der Entfremdung und Verbundenheit, die sich aus dem Leben in Europa und der gleichzeitigen Beobachtung der Ereignisse in Georgien aus der Ferne ergibt—vermittelt durch Medienberichte, familiäre Netzwerke und geografische Distanz. Durch die Verwendung von familiären und medialen Archivmaterialien, poetischen Interventionen sowie Klanginstallationen entwickelt sie eine vielschichtige Reflexion über individuelle und kollektive Erinnerung und stellt die Frage nach der Bedeutung von Zugehörigkeit in einer Ära zunehmender gesellschaftlicher Fragmentierung und Kontrolle.
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ENGL
Sopo Kashakashvili
Georgian-born Sopo Kashakashvili is a cross-disciplinary artist, cultural facilitator, and educator. Her practice spans performance, video, music, sculpture, drawing/assemblages, texts, and stage design. Creating immersive installations, often incorporating textiles.
In her works she often asks questions on what identity and migration mean and how societal structures function and dysfunction. She examines various forms of social coexistence, systems of order, and the body's relationship to them. Frequently working site-specifically, she considers the history of the spaces she engages with, integrating archival research—primarily in the form of audio—and documentary practices through in-person interviews and conversations. A distinctive element of her visual language is the recurring presence of various shades of red.
Sopo graduated from Städelschule, where she studied in Judith Hopf’s class as well as Guest Professors Flaka Haliti.
Artist's statement for Alte Schmelze exhibition:
In this exhibition, Sopo Kashakashvili examines the tensions between individuality and collectivity in contemporary society, investigating both their potential and their limitations. Through immersive installations, sound, and archival materials, she explores how people coexist and the role of sound in shaping collective memory. Each room of Alte Schmelze is designed as a sensory and bodily encounter with the socio-political structures that define our present moment.
At the core of this inquiry are power dynamics, group interactions, and the ways societies construct and sustain shared narratives. Kashakashvili draws parallels between state control mechanisms—such as police brutality and punitive governance—that operate through fear and suppression. She poses critical questions: How do we find unity in the entanglement of past and present? How can individuals form a collective while being manipulated by their differences? Can we experience a sense of togetherness despite coming from vastly different positions of privilege?
The exhibition also reflects on the dual perspective of living in Europe while witnessing Georgia from afar—mediated through news, family/friends, and physical distance. Through family and media archives, poetic interventions, and sound installation, Kashakashvili constructs a layered investigation of individual and collective memory, questioning what it means to belong in an era of rising division and control.

EINTRITT FREI!